Gründüngung bedeutet Düngen mit “Grün” (Pflanzen). Zur Gründüngung werden Pflanzen ausgesät - nicht um sie später zu ernten und zu essen, sondern um sie anschließend in den Boden einzuarbeiten, wo sie dann mit der Zeit von den Bodenlebewesen zerkleinert und in Humus umgewandelt werden. Bei der Gründüngung findet also eine Art Flächenkompostierung statt.
Das Ziel der Gründüngung ist es, den Boden zu verbessern.
Gründüngung verbessert den Boden:
Die Pflanzenwurzeln der Gründüngungspflanzen lockern den Boden.
Die Gründüngung bindet Nährstoffe in der Pflanzenmasse, die sonst vielleicht von Regen und Schneeschmelze ins Grundwasser gespült würden.
Durch die Gründüngungsmaßnahme wird organische Substanz in den Boden gebracht. Das verbessert die Struktur und Belüftung des Bodens.
Durch die organische Substanz wird das Bodenleben gefördert. Das Bodenleben braucht organische Substanz als Nahrung. Durch die Tätigkeit des Bodenlebens wird ein Boden fruchtbar - er erhält eine Krümelstruktur und enthält Nährstoffe.
Durch die Umsetzung der organischen Substanz durch das Bodenleben während der Folgekultur werden Nährstoffe nach und nach (temperaturabhängig) wieder freigegeben und pflanzenverfügbar (“Vorfruchtwert”: Bodenqualität, Nährstoffgehalt etc.).
Durch die Bodenbedeckung, wenn die Gründüngungspflanzen gekeimt und etwas gewachsen sind, wird der Boden und das Bodenleben geschützt, denn er ist weniger der Sonne (Austrocknung, Salzanreicherung im Oberboden) und dem Regen (Zerschlagung der Bodenstruktur, Abschwemmen des Bodens) ausgesetzt.
Mit Gründüngung kann man eine enge Fruchtfolge “aufbohren”.
Friert die Gründüngung im Winter ab, kann sie als Mulchdecke liegen bleiben - auch das schützt Boden und Bodenleben. Im Frühjahr kann sie eingearbeitet werden oder mit einem Rechen o. ä. entfernt und auf den Kompost gegeben werden (die Wurzeln bleiben als organische Masse für das Bodenleben im Boden).
Gründüngung kann flächendeckend durchgeführt werden, aber auch als Einsaat zwischen den Reihen von Kulturpflanzen, um den Boden bedeckt zu halten und damit zu schützen. Gründüngung kann vor oder nach der ersten Kulturpflanzenaussaat-/pflanzung durchgeführt werden oder im Sommer zwischendurch.
Gründüngung - was ist zu beachten
Auf Gemüsebeeten sollte man aus Fruchtfolgegründen auf Kreuzblütler-Pflanzen (Senf, Ölrettich, Raps) als Gründüngung komplett verzichten, weil man mit Kohlgewächsen, Rettich, Radieschen etc. schon viele Kreuzblütler im Garten anbaut.
Ansonsten wählt man für die Gründüngung Pflanzen aus anderen Pflanzenfamilien als die der Vorfrucht (die vor der Gründüngung angbaut wurde) oder der Nachfrucht (die nach der Gründüngung angebaut werden soll).
Gründüngungspflanzen
Die wichtigsten Gründüngungspflanzen:
Ackerbohne (Vicia faba) Die Ackerbohne ist winterhart und eignet sich für die Aussaat von Februar bis Juli (20 g/m2, 6 cm tief). Als Schmetterlingsblütler und Hülsenfrucht gehört sie zu den Stickstoffsammlern. Ihre Wurzeln gehen tief, weswegen sie einerseits trockenverträglich sind und zum anderen den Boden tief lockern.
Bitterlupine (Lupinus angustifolius) Die Bitterlupine ist nicht winterhart. Auch sie ist ein Schmetterlingsblütler und eine Hülsenfrucht, d. h. ein Stickstoffsammler. Als Tiefenwurzler schließt sie den Boden auf. Die Bitterlupine eignet sich für die Aussaat von April bis September (20 g/m2, 3 cm tief).
Buchweizen (Fagopyrum esculentum) Buchweizen ist ein nicht winterhartes Knöterichgewächs. Buchweizen wird von Mai bis August gesät (10 g/m2, 3 cm tief).
Dinkel (Triticum aestivum subsp. spelta) Dinkel ist ein winterhartes Getreide, das auch mit schwerem Boden fertig wird. Dinkel wird von November bis Dezember gesät (16 g/m2, 4 cm tief).
Feldsalat (Valerianella ssp.) Feldsalat ist ein winterhartes Baldriangewächs, das viel Wurzelmasse entwickelt. Feldsalat wird zur Gründüngung von August bis Oktober gesät (ca. 2,5 g/m2 je nach Sorte, 3 cm tief).
Flachs, Lein (Linum usitatissimum) Flachs ist ein nicht-winterhartes Leingewächs - eine Pflanzenfamilie, die wir sonst nicht im Gemüsegarten haben - also gut für den Fruchtwechsel. Flachs/Lein wird von April bis Juli gesät (ca. 4 g/m2, 3 cm tief).
Luzerne (Medicago sativa) Luzerne als Schmetterlingsblütler und Hülsenfrucht ist ein Tiefenwurzler und Stickstoffssammler. Luzerne wird von März bis August gesät (ca. 2 g/m2 je nach Sorte, 3 cm tief).
Bienenweide, Bienenfreund (Phacelia tanacetifolia) Phacelia gehört zu den Raublattgewächsen, die wir kaum im Gemüsegarten haben (außer im Kräutergarten oder Apothekergarten Borretsch, Beinwell o. ä.), weshalb sich Phacelia sehr gut zum Aufbrechen der Fruchtfolge/Kulturfolge im Gemüsegarten eignet. Phacelia wird von März bis August gesät (ca. 1,5 g/m2, 1-2 cm tief). Ab minus 8 °C stirbt Phacelia ab. Phacelia ist nicht nur hervorragend zur Gründdüngung, sondern auch eine sehr gute Bienenweide (“Bienenfreund”).
Winterwicke, Zottelwicke, Zottige Wicke (Vicia villosa) Die Winterwicke/Zottelwicke ist ein Schmetterlingsblütler und eine Hülsenfrucht - und deshalb eine Stickstoffsammelpflanze. Sie ist winterhart. Weil sie meist auf dem Boden aufliegt, wird sie für die Gründüngung meist im Gemenge mit anderen Pflanzen ausgesät. Die Winterwicke wird von September bis Oktober gesät (ca. 15 g/m2, 3 cm tief).